Der Holenkerl

Die Maiburg, reich an Zeugnissen aus heidnischer Zeit mit zahlreichen riesige Felsbrocken wie der Opferstein, der Teufelsstein oder der Düvels Brotschapp (Teufels Brotschrank) markieren uralte Kultstätten, an denen sich die Bewohner vermutlich einst zu Maifesten zusammenfanden.

Als dann das christentum Einzug hielt, wurden diese heidnischen Orte verteufelt. Seither markieren die teuflischen Findlinge den Bannbereich des Holenkerls, von dem die älteren Bewohner der Umgebung noch heute manche Geschichten zu erzählen wissen.

Denn der Holenkerl war niemand anders als der Teufel, der hier, bald als Hüne, bald als Zwerg, sein Unwesen trieb und nächtliche Wanderer in Schrecken versetzte, und packt diese dann die Angst und sie wenden sich zur Flucht, dann sitzt ihnen gleich der Holenkerl im Nacken und drückt und quält sie als schwere Last und gibt sie erst an der Grenze seines Banngebietes wieder frei.

Dies widerfuhr auch dem alten Kremer, einem tüchtigen Wirtsmann aus Bippen, der nie an das Treiben des Bösen glauben wollte und schon oft über den Bewohner des Holenberges nahe Klein Bokern gespottet hatte. Doch dann führte ihn eines späten Abends sein Weg am Reich des Holenkerls vorbei.

Da er schon einen langen Tagesmarsch hinter sich hatte, setzte er sich auf einen Stein am Wegesrand, um ein wenig auszuruhen. Auch wollte er seine Pfeiffe, die er eben ausgeraucht hatte, wieder neu bestücken. So stopfte er sie neu und holte sein Feuerzeug aus der Tasche. Gerade als er damit Feuer schlug, fühlte er plötzlich, wie ihm jemand auf den Rücken sprang und sich zwei starke Arme fest um seinen Hals legten.

Entsetzt sprang der Alte auf und lief, so schnell ihn seine müden Beine tragen wollten. Doch die teuflische Last blieb und drückte ihn schier zu Boden. Und um den Hals drückte es so arg, dass ihm fast die Kehle zugeschnürt wurde. Schon drohte der arme Wirt zusammenzubrechen, als er in der Ferne einer Lichtung gewahr wurde. Noch einmal raffte er sich auf und gelangte vor Schweiß triefend aus dem Wald ins Freie.

Sofort hörte der Spuk aufm denn hier hatte das Reich des Holenkerls sein Ende und er musste von seinem Opfer ablassen. Zitternd und bebend wegen des ausgestandenen Schreckens gelangte der erschöpfte Wirtsmann erst spät in der Nacht nach Hause.

Am anderen Morgen fanden fromme Kirchgänger seine Pfeiffe und sein Feuerzeug und überbrachten ihn beides. Der Wirt aber mied fortan den Holenberg wie die Pest und hast sich auch nie wieder über dessen teuflischen Bewohner lustig gemacht.

Die Sage von aufsitzenden Kreaturen wie dem Holenkerl ist im ganzen Osnabrücker Land und weit darüber hinaus sehr verbreitet. So wird sie nicht nur in Klein Bokern, sondern auch in Ankum, Restrup, Dalum, Aslage und anderen Orten erzählt.